Streit um Napoleon-Brücke II bei Gifhorn: Denkmalschutz trifft auf Schlepper
Eine Sanierung könnte zum finanziellen und medialen Desaster wie in Gifhorn werden. Der Gemeindebürgermeister hat deshalb ganz andere Ideen.
Reiner Silberstein
Ribbesbüttel Droht der Gemeinde Ribbesbüttel das gleiche Desaster wie vor sechs Jahren der Stadt Gifhorn mit der denkmalgeschützten Napoleon-Brücke? Die 200.000 Euro teure Sanierung hatte der Bund der Steuerzahler damals als Verschwendung bezeichnet. Nun scheint sich die gleiche Skandalspirale bei der sogenannten „Kleinen Napoleons-Brücke“ zu drehen, die nur wenige hundert Meter südlich auf dem Gebiet der Gemeinde Ribbesbüttel liegt.
Laut Gemeindebürgermeister Hans-Werner Buske erwägt das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, die mehr als 200 Jahre alte Bogenbrücke aus Bruchsteinmauerwerk über die Hehlenriede in das Verzeichnis der Kulturdenkmale einzutragen. Begründet wird das mit der geschichtlichen Bedeutung für die Ortsgeschichte und ihrem wirtschaftlichen und technikgeschichtlichen Zeugniswert für die vorindustrielle Infrastruktur des nördlichen Braunschweiger Landes.

Die Kleine Napoleon-Brücke in der Gemarkung der Gemeinde Ribbesbüttel braucht dringend eine Sanierung – aber mit den Auflagen des Denkmalschutzes wäre diese wohl kaum bezahlbar und das Bauwerk wäre dann auch weiterhin für landwirtschaftlichen Verkehr nicht geeignet.
Wie die große Napoleon-Brücke befindet sich auch die kleine an einer der wichtigsten Straßenverbindungen im norddeutschen Raum, der Handels- und Heerstraße von Braunschweig nach Lüneburg. Der Name zeugt aber nicht etwa vom Bauherrn: Beide Brücken sind nur nach dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte benannt, weil dessen Truppen sie vermutlich 1803 und/oder 1806 überschritten haben.
Bürgermeister findet Brückensanierung unmöglich – Neubau als einzige Option
Dann denken wir über eine Sperrung und einen parallelen Neubau nach.
Hans-Werner Buske Bürgermeister der Gemeinde Ribbesbüttel
Denkmalschutz für solch ein altes Gebäude klingt zunächst ehrenvoll. Doch Buske findet ihn alles andere als sinnvoll: Denn die Brücke müsste dringend erneuert werden, doch die Anforderungen haben sich in den vergangenen 200 Jahren grundlegend geändert: „Ich würde eine neue Brücke jetzt für eine Belastung von bis zu 40 Tonnen bauen“, sagt Buske. Denn die landwirtschaftlichen Gespanne, die auf den Wirtschaftswegen unterwegs sind, sind schwer geworden. Ein Neubau würde seiner Schätzung nach 150.000 Euro kosten.
Die Kleine Napoleons-Brücke verkaftet allerdings lediglich eine Tonne. „Landwirte müssen derzeit weite Umwege machen“ – nämlich über die Braunschweiger Straße bis fast nach Isenbüttel-Gifhorn. Eine Sanierung würde daran nichts ändern. Und Buske hält sie sogar für unmöglich: Der Substanzverlust sei schon enorm, die konstruktiv tragenden Teile nicht mehr zu retten. Eine Sanierung im denkmalpflegerischen Sinne mit Erhalt der Originalsubstanz sei technisch also ohnehin schon fast unmöglich. Nur ein Neubau erscheine ihm sinnvoll und wirtschaftlich.
Obendrein fragt sich Buske, ob die heutige Brücke überhaupt schützenswert ist. Denn: Vor rund 40 Jahren sei sie schon einmal umfassend saniert worden, und zwar ohne denkmalrechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Sprich: Von historischer Echtheit könne ohnehin gar keine Rede mehr sein.
Und wenn der Denkmalschutz trotzdem auf den Erhalt der kleinen Brücke beharrt? „Dann denken wir über eine Sperrung und einen parallelen Neubau nach“, sagt Buske. Nur dann stößt die Gemeinde auf die nächsten Probleme. Erstens: Die Grundstücke daneben gehören ihr nicht und müssten erst erworben werden. Zweitens: Ist ein Neubau an neuer Stelle überhaupt im Sinne des Landschaftsschutzes?
17.09.2026 Gifhorner Rundschau
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Bürgermeister Hans-Werner Buske
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