„Flug der Stare“: Ein altes Haus und drei Schwestern
Von Thorsten Behrens

Claudia Jünemann veröffentlicht ihren zweiten Roman – Eine kleine, leise Dorfgeschichte
Vollbüttel.
Es sind die kleinen Orte, die Claudia Jünemann aus Vollbüttel reizen. Die Leiterin der Grundschule in Wasbüttel, sie unterrichtet selbst Mathematik und Sport, hat jetzt ihren zweiten Roman veröffentlicht: „Flug der Stare“. Und wie der erste Roman, „Livs Glasmurmeln“ (erschienen 2021), spielt ihr zweites Buch in einem überschaubaren Umfeld. Für drei Tage wird ein altes Haus in einem Rundlingsdorf im Wendland Schauplatz einer Familiengeschichte, Treffpunkt dreier Generationen.
Drei Schwestern und ein altes Haus
In „Flug der Stare“ geht es um die Schwestern Luise, Meta und Elisabeth. Luise ist tot – und Meta weiß nicht, was besser ist, langsam oder schnell sterben. Aber sie weiß, sie wird in ihrem Elternhaus bleiben, etwas anderes gab es da nicht. Wäre da nicht Elisabeth, ihre Schwester, die andere Pläne hat. Unterschiedliche Welten treffen aufeinander, und so manche Klarheit gerät ins Wanken. Der Roman erzählt von verschiedenen Sichten auf die Welt und davon, wie besondere Momente Spuren hinterlassen.
Eine Hausbesichtigung auf dem Papier
Spuren haben die Momente, hat das Leben auch an dem alten Haus hinterlassen – dem eigentlichen Protagonisten der Geschichte. Das in die Jahre gekommene Fachwerkhaus steht irgendwie symbolisch auch für die Geschichte, für die Hauptfigur Meta Rogge steht. „Man sieht Leben häufig nur von außen. Ich nehme die Leser und Leserinnen mit auf eine Hausbesichtigung, wir öffnen die Türen und treten hinein, machen einen Rundgang und schauen uns das Leben hinter den verschlossenen Türen an“, sagt Claudia Jünemann. Und dann seien da noch die Stare, die durch die Luft flögen, von denen sich die Menschen noch einiges abschauen könnten…
Die Geschichten von Claudia Jünemann beginnen immer mit einer Person. „Wenn ich die gefunden habe, sie sogar noch einen Namen hat, dann geht ihr Leben in meinem Kopf los. Das war bei meinem ersten Roman ebenso. Ich interessiere mich schon immer für Menschen, auch beruflich, nun eben auch beim Schreiben.“ Anstoß für die Hauptfigur in „Flug der Stare” gab Claudia Jünemanns Großtante, die vier Jahre im Alter von 96 bis 99 Jahren bei ihr gewohnt hat und von der sie sich einige Themen und Verhaltensweisen abgeguckt und als Vorlage genommen hat.
Genauer Plan nur für die Struktur
Die Leiterin der Wasbütteler Grundschule hat Wochenendseminare zum Thema Schreiben besucht und viele andere Wochenenden dafür genutzt. „Nachdem meine drei Kinder nun erwachsen ausgezogen sind, entstand privat etwas Freiraum. Ich habe das große Glück, dass mein Mann mich unterstützt und wir meine Romanfiguren bei uns einziehen lassen. Wir entwickeln Pots gemeinsam und sprechen häufig abends darüber“, erzählt die Autorin.
Die Geschichten entwickeln sich während des Schreibprozesses. „Ich habe zu Beginn viele Ideen, bei diesem Buch waren es erst drei Perspektiven, dann bin ich jedoch nur noch mit meiner jetzigen Hauptprotagonistin weitergegangen.“ Einen genauen Plan im Vorfeld gab es nur in der Struktur, jedoch nicht im Inhalt.
Noch keine Idee für das dritte Buch
Und von der Idee bis zur jetzigen Veröffentlichung war ein ein weiter Weg. „Ich hatte den Text schon etwas länger liegen, aber es brauchte noch meinen Sohn Jano, der mich immer wieder antrieb, damit ich ihn mutig auch veröffentlicht habe.“
Und gibt es bereits Ideen für ein neues Buch? „Nein, leider noch nicht. Aber sicher ist, dass ich noch eines schreiben werde. Und irgendwie scheinen kleine, leise Dorfgeschichten mein Thema zu sein...“, sagt Claudia Jünemann.
Das Buch ist unter anderem in Gifhorn in den Buchhandlungen Dänzer und Nolte sowie bei Graff in Braunschweig erhältlich. Bestellbar ist „Flug der Stare“ aber auch in jeder anderen Buchhandlung mit der ISBN 9783819200205. Das Taschenbuch hat 208 Seiten und kostet 12 Euro.
2025-09-25 Aller Zeitung
Unternehmerpreis-Sieger Vörsmann – ein bescheidener Macher, der anpackt
Er machte Aerodata zu einem Global Player. Dafür gab es nun den Unternehmerpreis der Region 38.
Daniel Mau
Braunschweig Seine 73 Jahre will sich Peter Vörsmann auch bei der Preisübergabe keinen Deut anmerken lassen. Als ihm Moderator André Ehlers, die doch etwas wuchtige Skulptur aus Holz überreicht, packt Vörsmann entschlossen zu. „Das geht“, entgegnet der Firmengründer auf die höflich gemeinte Erkundigung des Moderators, ob er ihm das nicht gerade leichte Kunstwerk nun überreichen könne. Doch Vörsmann war in seinem Leben stets ein Mensch, der anpackt, und daher wandert die Auszeichnung „Unternehmerpreis der Region 38“ mit einem festen Handgriff sicher in seine Arme.
Peter Vörsmann (rechts) von der Aerodata AG freut sich über die Auszeichnung mit dem „Unternehmerpreis der Region 38". Links neben ihm Laudator Karsten Lemmer.
Am Donnerstag wurde Vörsmann im Medienhaus unserer Zeitung mit diesem Preis als Unternehmerpersönlichkeit und für sein Lebenswerk geehrt. Seine Leistung besteht vor allem darin, dass er aus einem kleinen Start-up in der Luftfahrtbranche einen Global Player in Sachen Flugvermessungssystemen gemacht hat: die Aerodata AG. Sie entstand vor 40 Jahren als Ausgründung aus der TU Braunschweig. Gemeinsam mit Gunther Schänzer, Leiter des Instituts für Flugführung, legte Vörsmann, der inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens ist, damals den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte.
„40 Jahre Erfolg sind kein Glück, sondern Können“, sagte Karsten Lemmer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in seiner Laudatio auf den Preisträger. Aerodata sei entscheidend mit dafür verantwortlich, dass Fliegen sicherer als Autofahren sei, und Peter Vörsmann habe seine Firma in den vergangenen Jahrzehnten zu einem „Weltmarktführer“ in der Luftfahrttechnik geformt. „Aerodata treibt die Branche voran und setzt Maßstäbe“, würdigte Lemmer den Betrieb mit Sitz am Forschungsflughafen Braunschweig-Wolfsburg. Und für Vörsmann hatte er noch ein paar ganz persönliche Lobeshymnen parat: „Deine Leistungen für Aerodata und die Luftfahrtbranche sind herausragend. Du bist einfach ein Macher.“
Doch der so Gelobte gab sich bescheiden und das Kompliment in einer launigen Dankesrede gleich mal schnell weiter. „Aerodata ist eine Mannschaftsleistung“, sagte Vörsmann, die Skulptur von Künstler Magnus Kleine-Tebbe dabei locker unter einem Arm geklemmt. Teamarbeit, flache Hierarchien und ein großes Engagement jedes Einzelnen hätten – wie oft in der Luftfahrtbranche – diesen Erfolg möglich gemacht. „Es ist die Mannschaft, die diesen Preis verdient, nicht ich“, sagte der Firmengründer und Aufsichtsratsvorsitzende bescheiden.
Er war aber nur einer der strahlenden Gewinner bei der diesjährigen Vergabe des Unternehmerpreises. Eröffnet wurde der Abend von einem Impulsvortrag von Bärbel Heidebroeck von der Landwind-Gruppe zur Energiewende. Bereits zum achten Mal wurde diese Auszeichnung von den drei Initiatoren Braunschweiger Privatbank, die Familienunternehmer/Regionalkreis Braunschweig und Funke Medien Niedersachsen vergeben. Erneut war eine Vielzahl von guten Bewerbungen dafür eingegangen.
Für Werner Bösemann von den Familienunternehmern ist das ein Zeichen für die „tolle Unternehmenskultur in der Region. „Ein jeder hätte es verdient, hier zu stehen“, sagte er bei seiner Begrüßung auf der Bühne. Letztlich musste die Jury des Unternehmerpreises aber vier Finalisten auswählen, und sie entschied sich dabei für „vier inspirierende Erfolgsgeschichten“, wie Ida Wittenberg, die Redaktionsleiterin von Standort 38, in ihrer Anmoderation der Gewinner betonte.
Neben Peter Vörsmann und der Aerodata AG wurden am Donnerstag noch drei weitere Preise für Unternehmerpersönlichkeiten und ihre Firmen vergeben. Der Preis für regionale Verantwortung und Nachhaltigkeit ging an Isabell Pott und Schlaraffen.Land. Sie hauchte der traditionsreichen Waldgaststätte am Tetzelstein im Elm in den vergangenen Jahren neues Leben ein und versorgt die Kundschaft dort mit regionalen Gerichten und teils selbst hergestellten Produkten.
Aerodata ist eine Mannschaftsleistung. Es ist die Mannschaft, die diesen Preis verdient, nicht ich.
Peter Vörsmann, AR-Vorsitzender von Aerodata bei der Preisverleihung
Der Preis für Diversität und Innovation ging an Atlas Titan aus Vechelde (Landkreis Peine). Das Unternehmen, auf der Bühne vertreten durch Maximilian Sternitzke und Hendrik Vollmer, bietet Projektabwicklung und -unterstützung in der Energiewirtschaft, im Anlagen- und Maschinenbau an und hat sich inzwischen als „ein Treiber der Energiewende“, so Moderator Ehlers, entwickelt.
Die König Holding wurde mit dem Preis für Transformation, den Geschäftsführer Sören König entgegennahm, ausgezeichnet. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren von einem kleinen Betrieb für Heizungstechnik zu einem großen Firmengeflecht mit mehreren Töchtern und rund 150 Mitarbeitern entwickelt.
Alle vier Finalisten sind gute regionale Beispiele, wie sich Unternehmen trotz Krisen und Rückschlägen zum Erfolg führen lassen. Eine Botschaft, die am Donnerstag nicht nur bei den Gästen der Preisvergabe im Braunschweiger Medienhauses verfing, sondern sicherlich auch als Mutmacher angesichts der aktuellen konjunkturellen Schwächephase in Deutschland dienen kann. Oder, um es mit den Worten von Preisträger Vörsmann zu sagen: „Der Schlüssel zum Erfolg ist, den Mut zu haben, etwas Neues zu wagen, selbst wenn auch mal etwas schiefgeht“, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Und dieser Mut soll mit dem Unternehmerpreis der Region 38 gewürdigt werden.
13.09.2025 Gifhorner Rundschau
Wassertank soll Brandschützer eigenständiger und schlagkräftiger machen
Von Ron Niebuhr
Ribbesbüttel.
Ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank (TSF-W) stellte Ribbesbüttels Feuerwehr jetzt offiziell in Dienst. Es löste das bisherige Tragkraftspritzenfahrzeug ab. Das musste noch ohne Wassertank auskommen. Die Kosten für den Neuzugang im Fuhrpark beliefen sich auf rund 273.000 Euro.
„Wir haben heute Großes vor“, sagte Christina Petzold. Isenbüttels stellvertretende Samtgemeindebürgermeisterin freute sich, dass die Feuerwehr Ribbesbüttel um Ortsbrandmeister Christian Krüger ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug erhielt. Das war im Feuerwehrbedarfsplan so vorgesehen und ließ sich „überraschend schnell“ umsetzen, denn „das Fahrgestell war schon vorrätig, nur der Aufbau fehlte noch“, erklärte sie. Am 24. November 2024 war der Auftrag vergeben worden, am 16. Mai konnten die Ribbesbütteler Kameradinnen und Kameraden das Fahrzeug abholen.

Wassertank bringt Eigenständigkeit
Als Basis des von der Herbolzheimer Firma Wiss zusammen gestellten TSF-Ws dient ein IVECO 7,2-Tonner. Der Wassertank fasst 900 Liter. Und die machen den Unterschied zum Vorgänger, verleihen sie Ribbesbüttels Feuerwehr doch bei Bränden deutlich mehr Schlagkraft im Erstangriff. „Sie kann jetzt eigenständig, schnell und effektiv vorgehen, auch ohne Hydrant in der Nähe“, sagte Petzold.
Gemeindebrandmeister Björn Kölsch sagte, dass im TSF-W „ganz viel neue Technik drin steckt“, die es gewiss spannend mache, mit dem Fahrzeug zu arbeiten. Und es bringe die Feuerwehr „kräftig nach vorn“. Angesichts der nicht unerheblichen Kosten sei erfreulich, dass der Samtgemeinderat den Bedarf erkannt und sich für die Neuanschaffung ausgesprochen habe.
Segen für die Brandschützer
Pastor Michael Bausmann empfand es als „große Ehre“, das neue TSF-W und die Feuerwehrleute segnen zu dürfen. Die Feuerwehr sei stets zur Stelle, wenn es „brenzlig“ wird. Sie sei super ausgebildet und verfüge nun über ein wunderbares Fahrzeug. „Dennoch hat sie nicht alles selbst in der Hand“, sagte er. Daher sei es gut, das Fahrzeug unter den Schutz Gottes zu stellen: „Er rückt jetzt immer mit euch aus. Ihr seid nicht allein.“ So toll das neue Fahrzeug auch sei, sei es doch am besten, wenn es kaum gebraucht werde, sagte Bausmann. Dem schloss sich Ribbesbüttels Bürgermeister Hans-Werner Buske an: „Ich wünsche euch möglichst wenig Einsätze damit.“ Das alte TSF wird übrigens online versteigert.
Die Fahrzeugübergabe bot zudem den passenden Rahmen, um Ribbesbütteler Feuerwehrkameradinnen und -kameraden für ihren Einsatz beim Hochwasser 2023 und 2024 auszuzeichnen. Sie erhielten Ehrennadeln des Landes Niedersachsen.
23.06.2025 Aller-Zeitung
Feuerwehreinsatz: Großer Misthaufen brennt in Vollbüttel
Landwirt und 60 Einsatzkräfte löschen den Brand gemeinsam.
Vollbüttel Ein brennender, etwa 30 Meter langer Misthaufen entlang der Landesstraße 320 zwischen Vollbüttel und Leiferde hat am Montagabend für einen Einsatz der Feuerwehren aus den Samtgemeinden Isenbüttel und Meinersen gesorgt.
Wie die Kreisfeuerwehr Gifhorn mitteilte, hatte ein Landwirt gegen 18 Uhr die Flammen in dem Misthaufen entdeckt und zunächst versucht, mit dem Trecker den brennenden Teil vom Rest des Haufens zu trennen. Trotz dieser Bemühungen konnte das Feuer auf den restlichen Teil übergreifen.
Die Einsatzkräfte der zum Brandort gerufenen Feuerwehren bekämpften die Flammen mit mehreren Stahlrohren, ein weiterer Landwirt setzte sein Güllefass ein, um mit dem Wasser das Feuer zu löschen. Mit einem Traktor wurden nach und nach nicht verbrannte Teile aus dem Haufen herausgelöst. Nach rund einer Stunde war der Brand abgelöscht. Um weitere Glutnester in dem Haufen zu löschen, setzten die Feuerwehren einen Wasserwerfer ein, der den qualmenden Haufen mit Wasser benetzte. Parallel dazu baute der betroffene Landwirt eine Beregnung auf. Mit dieser löste er die Feuerwehren ab, sodass diese ihren Einsatz beenden konnten.
Laut der Kreisfeuerwehr Gifhorn rückten zunächst die Wehren aus Leiferde, Hillerse und Dalldorf sowie der Einsatzleitwagen aus Ahnsen aus. Da das Feuer im Bereich Vollbüttel lag, wurde die Ortswehr Vollbüttel nachalarmiert. Der Ortsbrandmeister von Vollbüttel, Peter Evers, übernahm im Anschluss die Einsatzleitung. Insgesamt rückten rund 60 Einsatzkräfte aus.
Gifhorner Rundschau, 28.05.2025
Ein Besuch beim Spargelbauern im Landkreis Gifhorn.
Lisa Marie Simmack
Vollbüttel Auf dem Acker in Vollbüttel in der Gemeinde Ribbesbüttel liegt an diesem Vormittag beinahe eine meditative Ruhe. Nur das rhythmische Knirschen der Schuhe im sandigen Boden ist zu hören. Mit geübtem Griff sticht Landwirt Burkhard Kaufmann eine Stange Spargel aus dem Damm. Seit mehr als 30 Jahren baut er das königliche Gemüse hier an – mit Leidenschaft, viel Erfahrung und Handarbeit.
„Spargel fand ich schon immer toll“, sagt er und zieht das Messer durch die Erde. Der Spargelanbau verlangt gutes Timing, Organisation und Hingabe – genau das fasziniert ihn bis heute an der Saison. Vom morgendlichen Stechen bis zur Sortieranlage auf dem Hof: Für ihn ist der Weg des Spargels kein reiner Arbeitsablauf, sondern echtes Handwerk.
Landwirt Burkhard Kaufmann aus Vollbüttel erklärt, wie der Spargel von seinem Acker auf den Tellern der Region landet. Lisa Marie Simmack FMN
Spargel aus Tradition – Zu Besuch beim Familienbetrieb Kaufmann in Vollbüttel
Von etwa Mitte April bis zum 24. Juni – dem Johannistag – dauert die Spargelzeit in Deutschland. In dieser Zeit beginnen die Tage auf dem Hof der Kaufmanns früh: Bereits ab sechs Uhr morgens ziehen die Erntehelfer über die Felder. Der weiße Spargel steckt unter den langen Reihen schwarzer Folie, geschützt vor Sonne, Wind und Kälte. „Wir arbeiten mit Doppelfolie und Minitunneln, damit die Wärme besser gehalten wird“, erklärt der Landwirt. „Die ersten Arbeiten beginnen schon im Februar mit dem Aufflügen und Aufdämmen der Beete.“ Seit dem ersten Aprilwochenende verkaufen sie nun schon den ersten frisch gestochenen Spargel in ihrem Hofladen in Vollbüttel.
Der Spargelanbau hat bei den Kaufmanns Tradition. Schon der Großvater baute das Gemüse an – damals noch ohne Folie, gestochen wurde zwei Mal am Tag. Heute setzt Kaufmann auf Sorten wie Gijnlim – eine sehr frühe Sorte mit sehr hohem Ertrag, kaum empfindlich für Spargelbruch und Spargelrost, neigt in späteren Jahren jedoch zu etwas dünneren Spargelstangen – oder Raffaelo – eine späte Sorte, ebenfalls mit hohem Ertragspotenzial und kaum empfindlich für Spargelbruch, besitzt im Vergleich mit anderen späten Spargelsorten eine sehr gute Kopffestigkeit und -Qualität – und optimiert mit Folien und Tunneln den Ertrag. „Ich bin da reingewachsen. Es gab eigentlich keine andere Option“, sagt er schmunzelnd. Seit den späten 80er-Jahren betreibt er den Spargelanbau in eigener Verantwortung.
Regional statt weit gereist: Frische ist das entscheidende Kriterium
„Spargel ist etwas Besonderes, weil es ihn nur für kurze Zeit im Jahr gibt“, betont Kaufmann. Trotz ausländischer Konkurrenz setzt die Familie bewusst auf regionalen Spargel aus Deutschland. „Der Unterschied liegt in der Frische“, sagt Ehefrau Birgit Kaufmann.
„Mittlerweile kann man Spargel aus Peru ja auch zu Weihnachten kaufen“, ergänzt sie. Während Spargel aus Griechenland oder Peru allerdings mehrere Tage unterwegs ist, wandert der Spargel der Kaufmanns praktisch direkt vom Feld in den Kochtopf. Mehr Direktvermarktung geht kaum – und das schmeckt man auch, sind sich beide einig.
So kommt der Spargel vom Acker in Vollbüttel auf die Teller
Wenn der Damm auf dem Feld kleine Dellen oder Risse zeigt oder der Spargel schon herausschaut, ist es Zeit, ihn zu stechen. Vorsichtig muss der Spargel freigelegt werden, indem die Erde herum mit den Fingern etwas wegbuddelt wird. Mit einem Spargelstecher wird der Spargel dann in der Erde gestochen. Der frisch gestochene Spargel wird anschließend in Kisten gelegt und in wenigen Minuten zum Hof transportiert.
Dort beginnt die Weiterverarbeitung: Die Kisten werden auf ein Laufband gestellt, und der Spargel wird gewaschen und die Enden gekappt. Anschließend ermittelt eine spezielle Kamera von jeder einzelnen Stange, zu welcher Kategorie sie gehört – also Jumbo, über erste Klasse bis zu kurzen Spargelköpfen – und nach diesem Prinzip fallen die Stangen in passende Boxen.
Erneut in Kisten gelegt werden die Stangen wieder auf ein Laufband gestellt. Damit die Enden des Gemüses nicht verholzen und sich die Spitzen unter Lichteinfall und Wärme nicht rötlich oder lila verfärben, wird Spargel unmittelbar nach der Ernte heruntergekühlt. Das Eiswasserbad von etwa zwei Grad Celsius ist auf dem Hof der Kaufmanns also die nächste Station, bevor die Stangen ins Kühlhaus gebracht werden. Von hier aus kommen sie dann entweder direkt in den Hofladen oder noch in eine große Schälmaschine, wo sie ebenfalls einzeln, über ein Band geführt, geschält und sortiert werden – fertig für den Verkauf.
Spargel ist teuer, weil der Anbau arbeitsaufwendig ist.
Burkhard KaufmannLandwirt im Landkreis Gifhorn
Geschälter Spargel ist in Vollbüttel besonders gefragt
„80 Prozent der Kundinnen und Kunden kaufen heute geschälten Spargel“, sagt Burkhard Kaufmann. Früher sei das anders gewesen, da habe man sich noch eher die Mühe gemacht, den Spargel selbst zu schälen. An die Gastronomen liefere er ausschließlich geschälten Spargel. Ob vom Hofladen, vom Verkaufsstand oder frisch zubereitet im Restaurant: Am Ende landet der Vollbütteler Spargel auf vielen Tellern in der Region.
Einmal ums Eck auf dem Hof der Familie Kaufmann fallen außerdem viele gestapelte Säcke ins Auge. In ihnen befinden sich zahlreiche Spargelpflanzen. Denn auch wenn Spargel mehrere Jahre alt werden kann, ist irgendwann Schluss, und neue Pflanzen müssen in die Erde.
Warum Spargel seinen Preis hat
Vom Stechen des Spargels bis zum Verkauf im Hofladen dauert es bei Familie Kaufmann nicht lange. Dass das Kilogramm, je nach Sorte und Klasse, zwischen 14 und 18 Euro kostet, habe dennoch seine Berechtigung. „Spargel ist teuer, weil er arbeitsaufwendig ist“, erklärt Kaufmann. Die Ernte erfolgt auf seinen Feldern ausschließlich per Hand.
Rund 15 Saisonarbeiter – überwiegend aus Rumänien – übernehmen jedes Jahr die Ernte. Viele von ihnen kommen seit Jahren wieder. In der prallen Sonne, jeden Tag mehrere Stunden am Stück zu arbeiten, das könne nicht jeder. Kaufmann sei deshalb froh über die Unterstützung.
Auch an der großen Wasch- und Sortieranlage direkt auf dem Hof arbeiten mehrere Mitarbeitende gleichzeitig. Für die Verkaufsstände und den Hofladen hat Familie Kaufmann ebenfalls Personal. Egal ob im Hofladen oder an den Verkaufsständen: Der Landwirt vermarktet ausschließlich weißen Spargel – „und das ist auch meine Lieblingssorte“, sagt er und lacht.
Corona-Jahr brachte überraschenden Boom
Eine besondere Erinnerung bleibt für die Familie die Corona-Zeit. Die Gastronomie war geschlossen, die Sorge groß. „Ich dachte, wir bleiben auf unserem Spargel sitzen“, erinnert sich Kaufmann. Doch das Gegenteil trat ein: Die Menschen kamen in Scharen auf den Hof, standen Schlange und kauften mehr denn je für den Eigenbedarf. „Das war wirklich überraschend. Ein Jahr, das wir nie vergessen werden.“
Wetter und Wandel: Der Anbau bleibt herausfordernd
Eine der größten Herausforderungen im Spargelanbau bleibt laut Kaufmann das Wetter. Trockenheit könne zum Ende der Saison zu dünneren Stangen führen, zu viel Regen zu Staunässe – „ und das mag der Spargel nicht“. Auch Krankheiten und Schädlinge wie die Spargelfliege können laut Kaufmann den Ertrag beeinflussen. „Unsere Sorten sind zum Glück nicht sehr anfällig, bisher hatten wir jedes Jahr Glück.“
Doch der Klimawandel macht sich bemerkbar. Gerade nach der Ernte benötigt der Spargel viel Wasser, um sich für die nächste Saison zu regenerieren. „ Und das fehlt inzwischen öfter mal.“ Kaufmann blickt dennoch zuversichtlich nach vorn – auch wenn klar ist: Der Anbau des königlichen Gemüses bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe.
10.04.2025 Gifhorner Rundschau


